Geschichte des Hauses
1898 bis heute
Die Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul in Untermarchtal erwarben 1895 vom württembergischen Staat das ehemalige, 1803 säkularisierte Zisterzienserinnen-Kloster Rottenmünster in Rottweil. Nachdem die Untermarchtaler Schwestern diese ruinöse Klosteranlage mit hohem finanziellen Aufwand umgebaut und durch Neubauten ergänzt hatten, eröffneten sie an dieser traditionsreichen klösterlichen Wirkungsstätte im Jahre 1898 die „Heil- und Pflegeanstalt St. Vinzenz“ mit zunächst 300 Betten.
Gleichzeitig wurde die 1864 in Schwäbisch Gmünd gegründete Vorgängereinrichtung, die "Irren-, Heil- und Pflegeanstalt Sankt Vinzenz" geschlossen und 93 Patientinnen und Patienten mit einem Sonderzug von Gmünd nach Rottenmünster verlegt.
Aufgrund des guten Rufs, weit über das Königreich Württemberg hinaus, erhöhte sich bis zum 1. Weltkrieg die Bettenzahl auf 600. Während des 1. Weltkriegs versahen zahlreiche Ordensschwestern in Lazarettzügen an der Kriegsfront oder in Heimatlazaretten ihren aufopferungsvollen Dienst an verwundeten, kranken und sterbenden Soldaten. Auch in Rottenmünster wurde ein Hilfslazarett eingerichtet.
Existentielle Bedrohung für Patienten und Ordensgenossenschaft brachte die Zeit des Nationalsozialismus mit sich. 1941 wurden alle Einrichtungen der Untermarchtaler Ordensschwestern, einschließlich Mutterhaus, enteignet und einem "Staatstreuhänder" unterstellt. Durch die sogenannte "Euthanasieaktion" wurden über 300 Patienten von Rottenmünster in der staatlichen Tötungsanstalt Grafeneck ermordet. Durch noch folgende Patientenverlegungen in sogenannte "Zwischenanstalten", das Schicksal dieser Patienten ist noch nicht abgeklärt, sank in den Jahren von 1939 bis 1941 die Bettenzahl von 770 auf 332.
Ab 1941 wurden in Rottenmünster ein Wehrmachtslazarett, ein Kriegsgefangenenlazarett, ein Hilfskrankenhaus, eine Haushaltungsschule und eine Einrichtung für die Kinderlandverschickung eingerichtet. Ende 1941 verfügte Rottenmünster über 1129 Betten. Die dafür erforderliche Behandlung, Pflege und Versorgung mussten 254 Ordensschwestern, Angestellte und Wehrmachtssoldaten sicherstellen.
Nach Kriegsende wurde Rottenmünster von der französischen Armee besetzt. Die Besatzungsmacht richtete ein Militärlazarett, ein "Polenlazarett" und ein "Russenlazarett" ein. Die Rückgabe der von der französischen Armee beschlagnahmten Gebäude wurde erst 1954 abgeschlossen. Nur notdürftig konnte die Instandsetzung der durch langjährige militärische Nutzung stark in Mitleidenschaft gezogenen Gebäude erfolgen.
Ab Mitte der 70-iger Jahre begann mit hohem finanziellem Engagement von Sozialministerium und Untermarchtaler Ordensgemeinschaft die Generalsanierung der bestehenden Gebäude, verbunden mit der Errichtung zahlreicher Neubauten. Sowohl die Weiterentwicklung der umfangreichen Gebäudesubstanz als auch die Neustrukturierung des medizinisch-pflegerischen Behandlungsangebots erfolgten in enger Zusammenarbeit mit der Krankenhausplanung des Landes Baden-Württemberg.
Den wirtschaftlichen Erfordernissen der Zeit entsprechend erfolgte zum 1.1.1997 die Umwandlung des Krankenhauses Rottenmünster in eine gemeinnützige GmbH mit 100%-igem Gesellschafteranteil durch die Ordensgemeinschaft und unter Umbenennung in "Vinzenz von Paul Hospital gGmbH Rottweil-Rottenmünster".




